05. Juli 10 - RR

peakbreak (Yannics Tagebuch)


Wie ich zur Peakbreak kam – ein Rückblick auf eine Woche Radrundfahrt:

Eigentlich wollte ich nur die neue Teambekleidung abholen, da rief mir Alexx beim Rausgehen noch hinterher: „Schmal, hast du nächste Woche Zeit?“ – „Äh, wieso?“ „Ja, wir hätten da noch einen plötzlich frei gewordenen Startplatz für die Peakbreak“. „Ach so und wann geht’s los?“ – „In zwei Tagen.“  „Ja ne, ist klar… Ich muss erstmal kurz überlegen, ok?“

 

Von peakbreak -Vorbereitungen-

 

So stand ich dann also zwei Tage nach Alexx’ Anschlag am Flughafen CGN in Richtung Klagenfurt. Während des Flugs kann man sich ja schon mal den ein oder anderen Gedanken über die nächste Woche machen, der erste war: „Jung, was machst du hier eigentlich? 8 Tage Rundfahrt und du hast die letzte Zeit fast ausschließlich für Rundstrecke trainiert, das kann ja was geben… Naja, hoffen wir mal das Beste.“


Klagenfurt und der andere Teil der PB – LeXXis empfingen uns bei bestem Wetter. Die Peakbreak ohne Wasser auf der Straße waren meine Kollegen gar nicht gewöhnt. Ich für meinen Teil konnte jedenfalls getrost auf Regen verzichten. Dieser jedoch leider nicht auf uns.

 

Von peakbreak -Vorbereitungen-

 

 

 

Der Prolog:

Der Prolog zum Dobratsch fiel dann erstmal richtig ins Wasser, 200 Meter gefahren und schon in bester Kneipp-Manier am Wassertreten. Beim Bergzeitfahren natürlich nicht so tragisch. Im Ziel direkt runter vom Rad und rein in den Schwalbe-LeXXi-Teambus. Was ein Luxus.  

 

Von peakbreak -Vorbereitungen-

 

 

Die erste Etappe: Fahrtenschwimmen nach Italien

Auf der ersten Etappe blieb dann gar nichts mehr trocken, wobei gar nichts noch aufgerundet ist. Vom Start weg: Regen und wer macht das Tempo? Wir. Wenigstens merkt man dann nicht mehr so, dass man schon 10 km nach der Neutralisation schwitzt wie ein Tier.


Aber dafür bin ich ja hier, mit 4 Mann eine Attacke nach der anderen gefahren um der Konkurrenz schon mal ordentlich einen reinzuschrauben.
Standesgemäß an der Abzweigung zum ersten Berg, dem Nassfeld, vorbeigebügelt. Kehrtwende in Rundstreckenmanier und auf einmal von ganz vorne nach ganz hinten.


So war das eigentlich nicht geplant. Schon nach den ersten Kilometern waren die Beine von der Attackiererei so dick, dass ich die erste Gruppe fahren lassen musste.


Also: Alleine weiter. Alleine heißt auch immer Zeit zu überlegen: „ Das fängt ja schon gut an, nicht mal der erste Berg und du gehst schon ein, könnte eine harte Woche werden…“


Der Plöckenpass war dann die absolute Krönung der Tiefpunkte, wer auch immer die Straße da hoch gelegt hat, sollte mal schön von den Herren aus DenHaag einberufen werden.

 

Von peakbreak -1. Etappe- Villach-Arta Terme 136 km 2.400 hm


Nach 140 km hatte der Krampf ein Ende und während sich der ein oder andere (ich möchte hier keine Namen nennen) ordentlich die Kronjuwelen wund gescheuert hat, waren es bei mir nur die Kniekehlen, Gott sei Dank.

 

 

Die zweite Etappe: Wie lang kann ein Tag eigentlich sein?

Nachdem irgendwelche mafiös organisierten Gestalten aus dem Friaul, abends zuvor Martin seines Arbeitsgerätes beraubt hatten, gingen heute nur noch 5 LeXXis auf die lange Reise nach Wolkenstein.

 

Von peakbreak -2. Etappe- Arta Terme-Wolkenstein 172 km 3.200 hm

 
Über den Passo Mauria ging es unfassbar lange (unfassbar ist gar kein Ausdruck!) durch das Caldore Tal bis zum ersten wirklichen Pass des Tages. Über den Falzarego und den Valparola runter nach Corvara. Weiter über das Grödnerjoch ins Ziel nach Wolkenstein. 120 (von 172km) Soloritt waren beendet, die Beine waren ebenfalls am Ende, genau wie der Rest von mir. Diagnose: „ST“. Die Quälerei hatte sich heute mit dem 7. Gesamtrang im Tagesklassement aber auf jeden Fall gelohnt, zu Krönung hatte Alexx an dem Tag noch den Etappensieg abgeschossen. So hatte ich mir das vorgestellt.

 

 

Die dritte Etappe: Schonen für den Glockner

Heute war die Devise: Schonen für die Etappe am nächsten Tag. Diese galt jedoch nicht für alle, denn Arne hämmerte schon direkt zu Beginn so in das Grödnerjoch rein, dass es auf der folgenden Abfahrt dann ein Einzelzeitfahren hinlegen konnte. Wir anderen Boomslangs, d.h. Chefe, Brunni und ich + schweizer Anhang gingen es etwas ruhiger an.

 

Von peakbreak -3. Etappe- Wolkenstein-Lienz 157 km 2.900 hm

 

Über den supersteilen Furkelsattel und den nicht viel flacheren Stallersattel ging es auf die 55 Kilometer „Abfahrt“ nach Lienz, wo mir schon das erste Schotterstück meinen schönen Ultremo demolierte. Alexx hatte schon die Turbine gezündet und war im Tiefflug Richtung Ziel unterwegs, Brunni war auch schon weg, und mein Konkurrent im AK-Klassement sagte ebenfalls Ade. Na klasse, da fährt mein Platz 2.


Doch: Unverhofft kommt oft, statt auf den Materialwagen zu warten, kam Brunni zurückgespurtet und gab mir sein Vorderrad, um nicht noch mehr Zeit auf Simi (Simon Ruff) zu verlieren.


4 Minuten waren es dann doch noch im Ziel, obwohl ich schon alles was ging gefahren bin.


Nochmals: Danke Brunni, super Aktion!

 

 

Die vierte Etappe: Someren an der Groß Glockner

Wenn die Holländer schon mit ihren Wohnwagen übern Glockner rollen, dann bringen sie den Wind gleich mit. Nachdem wir den Iselspass ziemlich schnell überrollt hatten und mit einer etwa 8 Fahrer starken Gruppe bis nach Heiligenblut gerollt waren, ging es auf das Dach der PB 2010. Die ersten Kilometer gingen erstaunlich gut, bis zu dem Punkt, an dem besagter Sturm aufkam. Unterlenker, 11% Steigung, 8 km/h… Mehr brauch ich wohl nicht sagen. Einfach unglaublich. Durch die Schneelandschaft kämpften wir uns über das Hochtor um mit einer stark dezimierten Gruppe, nach der Abfahrt vom Fuscher Thörl Alexx und Arne wieder einzufangen, die zu Anfang noch auf und davon waren.

 

Von peakbreak -4. Etappe- Lienz-Going 175 km 3.210 hm

 
Team LeXXi also wieder zu 4 in den letzten Pass des Tages, den Thurn. Dort hatte ich mir vorgenommen, noch mal eine Attacke auf den zweiten Platz zu starten und als die Konkurrenz gerade das Roadbook vor der Nase hatte, hab ich angetreten, leider ohne Erfolg.


Vor der Passhöhe konnte ich mit Simon im Schlepptau zu Alexx aufschließen und kurz eine kleine Taktikbesprechung vornehmen, mit dem Ziel, im Zielsprint noch ein wenig Zeit gut zu machen.

 

Von peakbreak -4. Etappe- Lienz-Going 175 km 3.210 hm

 
Gesagt getan, bis nach Going die Beine hochgenommen und dann 300 Meter vor Ende angezogen und wie geplant einige Sekunden rausgeholt. Sehr gut.

 

 

Die fünfte Etappe: Bergzeitfahren aufs Kitzbüheler Horn.

Halber Ruhetag. 7,5 Kilometer mit durchschntl. 13% machen einem den Ruhetag nicht angenehmer. Das gleiche Vorhaben wie gestern galt es heute umzusetzen, abwarten, mitfahren und dann in der letzten Kehre vor Ziel abdampfen.

 

Von peakbreak -5. Etappe- BZF Kitzbüheler Horn 21 km 900 hm

 
Und? Hat auch heute wieder geklappt, noch mal einige Sekunden für die Konkurrenz, was sind wir doch für Taktikfüchse, mein lieber Mann…
Zur Belohnung der guten Teamleistung gabs dann ein wohlverdientes „Schtaratziatälla Eis“ in Elmau, so schön kann Radsport sein.

 

Von peakbreak -5. Etappe- BZF Kitzbüheler Horn 21 km 900 hm

 

 

Die sechste Etappe: Brunnis Heimspiel

Für uns ging es heute von Going nach Ramsau, besser gesagt zur Bergankunft am Dachstein.


Die ersten Kilometer über den Grießenpass waren relativ unspektakulär, immer schön vorne gefahren und dann doch wieder am Filzensattel die üblichen Verdächtigen wegfahren sehen. Wer war wieder bei mir? Mein Dauerbegleiter der letzten Tage, Kollege Ruff auf Rang 2. So fuhren wir dann zusammen mit Brunni über den Dientenersattel, wo ich dann die Empfehlung bekam: „Auf der Abfahrt kannste stehen lassen, ich fahr vor, du kommst nach“ – „Okay“


Also, mit 102 Klamotten runter nach Bischofshofen und langgezogen hinauf zur Ramsau, dann links ab in den letzten Anstieg zur Bergankunft. Simi schepperte sofort so in den Berg hinein, das unsere Gruppe direkt aus einander flog und nur noch Brunni und ich an ihm hingen. „Muss ich mit der Attacke wohl noch was warten…“

 

Von peakbreak -6. Etappe- Going-Ramsau 132 km 2.300 hm

 
Kurz nachdem wir „Brunnis Fankurve“ mit „Forza Brunni“ passiert hatten, setzte ich etwa 800 Meter vor Ziel zur finalen Attacke an und weg war ich. Zur Krönung auch noch vorbei an Adrian Czibere, der auf Platz 1 in der AK lag und auf Rang 7 ins Ziel. Das hat weh getan!

 

 

Die siebte Etappe: The final stage über 180 km

Zum Abschluss noch mal 180 km und zwei Pässe, von denen einer den Plöckenpass fast noch übertroffen hätte.


Von Ramsau fuhren wir mit Volldampf in den Sölkpass, wo uns das Kunststück gelang, in der Verpflegungszone aus der Spitzengruppe zu fallen, das soll uns auch erstmal einer nachmachen. Die letzten gut 120 Kilometer mussten wir also zu dritt bestreiten. Das wellige Tal nach der Sölk, bis in den letzten Pass der PB, hat mir schon gewaltig den Saft aus den Knochen gezogen und ich war mehr als froh, als die dämliche Turracherhöhe endlich passe war. Mit 97 km/h hinab nach Bad Kleinkirchheim und dann auf die letzten 50 Kilometer gen Ziel. Aus der einstmaligen Dreiergruppe ist dann noch eine Zweiergruppe geworden, da der dritte Mann schon platt war und später nur noch hinten dran hing.


Das Ziel lag auf der Burg Landskron, die Steigung sollte einmalig 23 % haben, ok dann sprinte ich die da ab. Dass aber der Beginn der Steigung schon mit rund 16% wartete und ums Verrecken nicht flacher wurde, das hat einem beim Racebriefing natürlich niemand gesagt. So stapfte ich nach 180 km mit 2800 hm „39x27“ in die 23% rein, blickte mich um: Keiner mehr da, jawoll, so muss das! Über die Linie gerollt, abgestiegen, umgefallen -  Vollkommen tot. So tot wie noch nie in dieser Saison.

 

Von peakbreak -7. Etappe- Ramsau-Villach 179 km 2.600 hm

 

Am Ende sollte sich die ganze Schinderei aber doch gelohnt haben. Mit den Tagesplatzierungen: 10, 15, 7, 10 (Defekt),7 9, 8, 9 im Gesamtklassement. Dem 9. Platz damit in der Endabrechnung und dem 3. Rang in der Hauptklasse, konnte ich doch zufrieden wieder nach Hause fahren. So viel hatte ich gar nicht erwartet.


Es war eine wirklich harte aber super Woche mit meinen LeXXis, bei der es fast von Tag zu Tag besser ging und für mich auch noch ganz erfolgreich zu Ende endete. Auch die Flut an Medaillen von Judith und dem beeindruckenden Etappensieg von Alexx haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So kann’s weitergehen.

 

Diese Woche ist erstmal schonen angesagt, essen, schlafen und ein wenig fahren, mehr aber auch nicht.

 

In diesem Sinne, euer Schmal.

LeXXi TeamTrikot24.de

 

  

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