26. Juni 09 - JM

Peakbreak 6. Etappe


Bad Mitterndorf - Irdning - Stein a.D. Enns - Sölkpass- Teufenbach - Neumarkt - Hüttenberg - Klippitzthörl - Bad St. Leonhard - Wolfsberg

 

Im Mittelfeld bleibt man trocken.

Sonne! Wir waren sehr zufrieden und starteten entspannt in die 6. Etappe. Die gesamte Gruppe blieb auch nach Rennfreigabe lange zusammen. Erst am Anstieg zogen die Jungs auf und davon. Auch Mirko, der sich heute mal eingeklinkt hatte, hatte ein flinkeres Grüppchen erwischt und ward bald nicht mehr gesehen.


Um uns die Jungs vom Radcore-Team. Erst dachte ich, sie wollten uns heute mal Windschatten spenden. Nette Geste, aber wahrscheinlich dachten die Jungs dabei eher ans eigene Entertainment. So eine Etappe in den Bergen kann auch schon mal langweilig werden, da muss man bei Zeiten an die Unterhaltung denken. Judith machte Dampf, und wir beide nutzen den angebotenen Windschatten kaum. Während ich noch der einen oder anderen Unterhaltung erlag, zog Judith davon. Irgendwann bemerkte ich meine REKOM-Herzfrequenz und fuhr schneller, damit ich wieder an Judith ran kam.


Nachdem das führende Paar der Mixedwertung schon ausgestiegen war, musste nun auch die bis heute führende Frau aufgeben. Etappenrennen sind eben eine ganz eigene Welt. So ein kalter Regentag führt da schnell zum Aus. Endlich waren meine überflüssigen Pfunde mal nutzbringend. So eine Schutzschicht hält mich bergauf zwar ordentlich zurück, aber sie beinhaltet auch eine große Menge Energiereserven.


Ein Ausscheidungsrennen sollte das zwar nicht werden und Gegner sind uns stets willkommen, aber gut, wenn Durchhalten hier das Kriterium werden sollte, woran man gemessen werden würde, so soll es sein.


Ich erreichte kurz nach Judith den Sölkpass, der vor 2 Tagen auch noch Opfer erneuten Schneefalls geworden war. Die Radcorejungs waren leider großzügig abgeplatzt. Stattdessen hängte sich Gerhard zwischen uns. Ich mag das nicht, da ich auf Judiths Hinteransicht konditioniert bin. Bei passender Gelegenheit würde ich das ändern. Uns dass ich das ausgerechnet in einer rasanten Abfahrt tat, war für mich schon ein Erlebnis. Selten, wahrscheinlich sogar noch nie, hat mir das Spaß gemacht. Im Tal angekommen kreiselten wir durch die Ebene. Der nächste kleinere aber giftige Anstieg ließ nicht lange auch sich warten.


Alleine wollte ich hier nicht kämpfen müssen. Der Gegenwind machte es nicht besser.


Radcore-Phillip wurde eingerollt und durfte sich an die Lok anhängen.

Mir brannten derweil die Füße. Ich hatte die Schuhe nur locker geschlossen und trotzdem das Gefühl einen Schuh 2 Nummern zu klein am Fuß zu haben. Bei der nächsten Labe entfernte ich kurzerhand die Einlegesohlen. Das war zwar hart, aber dafür hatte ich Platz im Schuh. Den einen Pass würde ich so schon noch schaffen. Morgen aktiviere ich meine alten Radschuhe.


Leiden, die man von seinen heimischen Strecken gar nicht kennt, zeigen einem Grenzen auf. Jeder hat andere Schwachpunkte und kaum hat man eine Idee, wie man gegen einen bestimmten Schmerzpunkt vorgeht, entwickelt sich aus dieser Position ein neues Leid.


So leidet der schnelle Fahrer allerdings aus anderen Gründen wie der Langsame. Schnelle Fahrer knechten ihre Körper, holen alles aus ihnen heraus, sind dafür aber kürzer unterwegs und haben mehr Zeit für die Regeneration. Die langsamen Fahrer sitzen einfach zu lange im Sattel, werden müde, die Körperspannung lässt nach, was zu einer schlechten Körperhaltung auf dem Rad führt und so das eine oder andere Leid zusätzlich fabriziert Es gilt nicht nur stundenlang zu treten, denn bergan rollt man nicht mal eben so mit, auch der Lenker will gehalten werden. Bergan hat man da wenigstens noch Auswahl, bergab jedoch kann die Haltung schon mal zur Qual werden.

 

Aufgeheizt erreicht man die Passhöhe und muss sich in Jacke oder Weste zwingen. Der kalte Fahrtwind bei langen Abfahrten ist nicht zu unterschätzen. Ich war froh, dass Judith meiner geplanten Leichtsinnigkeit entgegenwirkte, wenn sie vor den Abfahrten je nach Wetterlage stets den Dresscode ausgab: Weste, Armlinge, Riegel. Dann fuhr sie gekonnt die Kurven flott bergab und ich in ihrer Spur Riegel kauend hinterher. Langsam aber sicher begannen mir diese Passagen mehr und mehr Freude zu bereiten. Wenn dann allerdings wieder einer der Radcorejungs an uns vorbei schoss, war mir wieder klar, was für eine Bergabkröte ich doch noch war und wohl immer bleiben würde.


Der letzte Anstieg der heutigen abermals langen Etappe lag, ähm, nee, der stand vor uns, baute sich gewaltig vor uns auf. Phillip und Gerhard blieben hinter uns im Anstieg hängen, ich heftete mich an Judith, die beflügelt den letzten Kilometern entgegen zu schweben schien.

 

Das war Judiths Etappe. Wir fuhren in das Tal, in dem sie und Alex vor weniger als einem Jahr geheiratet hatten. In der letzten Abfahrt hatte man einen Blick auf IHRE Kirche. Nie hätte ich mir gewagt auch nur eine Sekunde vor ihr die Ziellinie zu überfahren. Ich sagte Judith, sie bräuchte oben nicht auf mich warten und könne den Pass hinuntersausen und wenn sie in Wolfsberg ankäme, solle sie mir bitte eine Kugel Eis kaufen und mir VOR der Ziellinie überreichen. So ein Zielfoto mit Eiswaffel wollte ich schon immer einmal haben. Sie meinte nur, dass ich dann aber ganz schön langsam abfahren müsste. Egal wie, ich wollte, dass sie IHR Tal zelebrierte.


3 km vor der Passhöhe sahen wir Mirko vor uns. Ich hatte nicht gedacht, dass wir ihn noch vor dem Ziel treffen würden. Er quälte sich das steile Klibitzthörl mit seiner Flachlandübersetzung hinauf. Gerne hätte er mit mir das Rad getauscht, aber so langweilig fand ich diesen Anstieg hier auch nicht. Ich überlegte, ob ich mit ihm zum Ziel fahren sollte, aber er meinte nur: Fahr, denk an Eure Zeit.


So fuhr ich, begleitet von Fliegen, welche mich penetrant umkreisten den Berg weiter hinauf. Ab und an schlug ich wild um mich und schimpfte auf das Getier. Fast wäre ich bei einer solchen Aktion noch gestürzt, die Fliegen interessierte das in keiner Weise.


Auf einer Galerie hatte man einen schönen Blick in das hinter uns liegende Tal. Ganz tief unten sah ich ein Peakbreak-Begleitfahrzeug mit seinen gelben Rundumleuchten hinter einem Ameisengroßen Radler herfahren. Darüber türmten sich schwarze Wolken auf und ein lauter Donner verhieß nichts Gutes. Ich erreichte die Passhöhe, zog die Weste an und entfloh dem Gewitter mit einer rasanten Abfahrt ins „Hochzeitstal“. Man, war das geil. Ich verfiel einem Geschwindigkeitsrausch und als ich aus der letzten Kurve in die Ebene einbog, sah ich 300 Meter vor mir einen Radler, arbeitete mich heran und konnte am langen blonden Zopf erkennen, dass es Judith war. Ich begrüßte sie fröhlich und fragte: Na, hast wohl geträumt auf der Abfahrt? Es war schon ungewöhnlich, dass ausgerechnet ich auf einer Abfahrt Boden gut machte. Sie lachte. Ich bot an: Darf ich der heutigen Etappensiegerin noch Windschatten spendieren, oder möchte sie freien Blick haben und jeden Meter mit der Nase im Wind genießen?


Judith wollte vorne fahren. Ich fuhr halb neben ihr, halb dahinter. Da, rief sie, die Gärtnerei aus der mein Brautstrauß kommt!


Sie sollte sich ruhig weiter umschauen, ich achtete auf den Weg, damit uns nichts passierte. Die Straßen waren sehr nass. Auch hier musste es vor kurzem heftig geregnet haben. Wir hatten einen wunderschönen Sonnentag gehabt und keinen Tropfen abbekommen.


Im Sekundentakt überquerten wir die Ziellinie und waren glücklich.
Kurz nach uns kam auch Mirko, der froh war, solche Strecken nicht jeden Tag fahren zu müssen.


Markus knetete uns wieder alle durch, dehnte und linderte individuelle Leiden.
Am Abend gab es wieder Pasta, Siegerehrung, Briefing für die letzte Etappe und gegen Aufpreis auch Schnitzel, Bier, Wein und Kaiserschmarrn.
Brunni bekam vom Peakbreakteam eine Kappe überreicht und wurde Ehrenmitglied der Feuerwehr Hüttenberg, wo er heute unterwegs für stolze 20 Euro einen Inbusschlüssel erworben hatte, weil seine Kurbel locker war. Damit hatte er den Lacher des Tages auf seiner Seite.

  

Maggie

LeXXi TeamTrikot24.de

 

 

Ergebnisse

175km, 3.000hm 

Platz

Name

Team

Zeit

Rückstand

1.

Günther Glettler

Team News

5.14.59

2.

Günter Höllige

Team Strassacker

5.14.59

s.t.

3.

Reini Woitseschläger

Saalbach-Hinterglemm

5.14.59

s.t.

...

1.

TEAMWERTUNG

LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de

1.

Judith Bauer

LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de

6.34.59

+1.20.00

1.

Maggie Gerhardt

LeXXi Chicks feat. Vulkanbike.de

6.34.59

+1.20.00

.

1.

TEAMWERTUNG

LeXXi TeamTrikot24.de

5.

Alexander Bauer

LeXXi TeamTrikot24.de

5.16.49

+0.01.50

6.

Arne Mill

LeXXi TeamTrikot24.de

5.19.33

+0.04.33

15.

Thomas Brunnegger

LeXXi TeamTrikot24.de

5.46.37

+0.31.38

15.

Martin Schulz

LeXXi TeamTrikot24.de

5.46.47

+0.31.38

30.

Mirko Gerhardt

LeXXi TeamTrikot24.de

6.39.44

+1.24.50

 

Ergebnisse auf www.peakbreak.com

 

PDF Tagesergebnisse

PDF Gesamtwertung nach 6. Etappe

 

Fotogalerie (auf picasaweb) 

 

Gleich zwei tolle und relativ unbekannte Passtrasssen warten zu Recht darauf entdeckt zu werden. Von Bad Mitterndorf führt die Strecke vorbei an der Schiflugschanze am Kulm ins Ennstal und über Irdning weiter nach Stein an der Enns. Hier beginnt eine der beeindruckendsten Passagen der gesamten PEAKBREAK Route. Durch die Sölktäler steigt die Straße zu einem der einsamsten Pässe der Ostalpen: den Sölkpass. Beeindruckende Ausblicke auf herrliche Naturlandschaft und imposante Gipfel lassen Dich die rund 30km lange konstante Steigung fast vergessen. Die Mystik und Stille der niederen Tauern haben hier noch jeden Radler in ihren Bann gezogen. Nach der Abfahrt rollt es gemütlich vorbei an St. Peter am Kammersberg ins Murtal und weiter über den Neumarkter Sattel nach Neumarkt.

 

Weiter führt die Strecke durch die packende Landschaft eines Hochmoors in Richtung Hüttenberg, dem Geburtsort des Bergsteigers Heinrich Harrers. Der tibetische Pilgerpfad mitten im Ort fügt sich herrlich in diese Etappe ein und gibt Zeit, noch einmal die Kräfte für den zweiten Berg des Tages zu sammeln. Mit dem Klippitzthörl wartet immerhin der dritthöchste Pass des Rennens. Ziel des Tages ist Wolfsberg im Lavanttal.


Startzeit: 10:00 Uhr / Zielschluss: 19:00 Uhr




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