22. Juni 12 - RR
Deutsche Meisterschaft Einzelzeitfahren Zwenkau
Das war Maßarbeit! Kaum gingen die Deutschen Radmeisterschaften 2012 in Zwenkau und Grimma am vergangenen Wochenende erfolgreich über die Bühne, ließ Petrus die Wassermassen herab. Bei trübem Wetter waren Kommissäre, Funktionäre, Radsportteams und Presse angereist, bei trübem Wetter ging es wieder heimwärts, doch an den drei Veranstaltungstagen schien die Sonne. Manch ein Fotograf und Zuschauer sah am Sonntag so tiefgebräunt aus, als hätte er im Trainingslager auf den Kanarischen Inseln drei Wochen lang auf dem Sattel gesessen. Das Glück mit dem Wetter hatten sich die Veranstalter der Rad-DM allerdings redlich verdient!
Arne Mill berichtet und bebildert für den BDR die Deutschen Meisterschaften |
Die Städte Zwenkau und Grimma bei Leipzig und ihre örtlichen Radsportvereine hatten in Zusammenarbeit mit dem BDR und den Sponsoren ein großartiges Radsportfest auf die Beine gestellt, das vor allen Dingen bei den Straßenrennen rund um das Muldental in Grimma zahlreiche Schaulustige angezogen hatte. Dass Radsport in Deutschland durchaus noch publikumswirksam sein kann, hatten die drei Tage der Deutschen Meisterschaften eindrucksvoll bewiesen.
Trixi Worrak auf dem Weg zur Silbermedaille |
Los ging es am Freitag, den 22. Juni 2012, mit den Wettbewerben im Einzelzeitfahren. Pünktlich um 12 Uhr rollte am Ortsausgang von Zwenkau mit Manuela Roisch von der RG BSV Hamburg die erste Elite Frau von der Rampe. 33,12 Kilometer hatten die Elite Frauen und die U23-Fahrer zurückzulegen, die Elite Männer hatten im Anschluss 40,68 Kilometer vor sich. Die Strecke war für alle Teilnehmer gleich. Der Wendepunkt für die Männer befand sich in Großzössen, der für die Frauen und die U23 bei der Ortschaft Eula. Der Weg dorthin hatte es in sich. Von Zwenkau aus zuerst ein Stück auf der Bundesstraße 2 entlang und anschließend einen echten Riemen auf der Bundesstraße 95, vorbei an Rötha und Espenhain bis nach Eula. Zurück die gleiche Strecke. Vorbei am ehemaligen Braunkohlerevier. Wenige Punkte in der Landschaft, an denen sich die Augen festhalten konnten. Ein harter Ritt, der zahlreichen Radsportlerinnen und Radsportlern zu schaffen machte.
Hanka Kupernagel kurz vor der Wende |
Großes Pech beim Einzelzeitfahren hatte die in Gera geborene Hanka Kupfernagel vom Rusvelo Team. Beim Sturz an der Wendemarkte büßte sie wertvolle Zeit ein, der Sprung auf das Treppchen konnte ihr nicht mehr gelingen. Mit einer Zeit von 46:31 Minuten hatte sie letztendlich einen Rückstand von 02:02 Minuten auf die Weltmeisterin Judith Arndt.
So sieht es aus, wenn man bei 45 km/h über die Straße rutscht |
Judith Arndt, konnte mit einer Zeit von 44 Minuten und 28 Sekunden sowie einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45,43 km/h das EZF für sich entscheiden. Für die 1976 in Königs Wusterhausen geborene Profi-Radrennfahrerin war es bereits der achte Deutsche Meistertitel beim Einzelzeitfahren auf der Straße (1998, 1999, 2001, 2003, 2004, 2005, 2010, 2011 und 2012).
Judith Arndt holt sich als amtierende Weltmeisterin, wie schon im Vorjahr, ebenfalls den Deutschen Meistertitel |
Zweite beim EZF wurde Trixi Worrack, die 2009 den Deutschen Meistertitel holen und zuletzt auf der Ladies Tour of Qatar die zweite Etappe gewinnen konnte. Bronze holte am Freitag ihre Teamkollegin Ina-Yoko Teutenberg (Specialized Lulelemon), die nur sechs Sekunden langsamer war als Trixi Worrack. Charlotte Becker, ebenfalls vom Team Specialized Lulelemon, verpasste als Vierte den Sprung auf das Treppchen.
Ina Teutenberg macht es ihrem Bruder mit der Bronzemedaille vor |
Dass die knapp 35 Kilometer lange EZF-Strecke vor allen Dingen für die jüngeren Fahrerinnen knüppelhart war, zeigten die Zeiten. Während die Siegerin nach 44:28 Minuten die Ziellinie überquert hatte, erreichten zahlreiche Elite Frauen erst nach 51 Minuten, 54 Minuten und gar 57 Minuten das Ziel.
Die U23 im Parc fermée vor dem Start |
Mächtig groß war das Starterfeld der Elite U23. Immerhin 80 Fahrer rollten beim Einzelzeitfahren von der steilen Rampe. Als erster Thomas Reichardt vom Team Jenatec-Cycling, als letzter Christopher Muche vom Team Heizomat. Recht souverän brachte Jasha Sütterlin die Strecke hinter sich. Mit einer Zeit von 41:49 Minuten schaffte er es ganz oben aufs Treppchen zu kommen. Recht eng wurde es auf den weiteren Plätzen. Harry Kraft vom Team Bergstraße holte mit 42:15 Minuten die Silbermedaille, Jakob Steigmiller, ebenso wie der Sieger Jasha Sütterlin vom Team Thüringer Energie Team, war fünf Sekunden langsamer und fuhr die Bronzemedaille ein. Nikias Arndt verpasste Platz drei um knapp eine Sekunde. Bei einer Strecke von über 33 Kilometern natürlich extrem ärgerlich.
Lars Telschow beim all-out auf dem Rückweg |
Lars Telschow vom Team NRW U23, dem einige einen Sprung auf das Podest zugetraut hatten, wurde letztendlich mit einer Zeit von 43:17 Minuten Achter. Wie sagte sein Teamleiter von LeXXi Sports? Nicht ärgern, schließlich hätte es auch der 14. Rang sein können. Den achten und 14. des U23 Einzelzeitfahren trennten gerade einmal fünf Sekunden!
Der amtieren Welt- und spätere Deutsche Meister Tony Martin |
Klein, aber fein war das Starterfeld der Männer Elite. 20 Fahrer gingen beim EZF in Zwenkau an den Start. Eine Klasse für sich war Tony Martin, der mit einem Vorsprung von 1:25 Minuten und einer Zeit von 47:21 Minuten die Goldmedaille einheimste. Mit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 51, 54 km/h hatte Martin die für ein EZF recht lange Strecke bravurös bewältigt.
Bert Grabsch ging als Titelverteidiger ins Rennen und kam auf den zweiten Platz |
Zweiter wurde sein Teamkollege Bert Grabsch (Omega Pharma Quickstep). Dass das Alter nicht unbedingt etwas zu sagen hat, bewies wieder einmal Lars Teutenberg vom Team Lexxi Sports. Mit 41 Jahren ließ er beim Einzelzeitfahren so manch einen jüngeren Profi hinter sich und holte sich – genauso wie seine Schwester Ina-Yoko Teutenberg (37 Jahre) – die Bronzemedaille.
Lars Teutenberg fuhr auf dem Hinweg 70 km/h auf flacher Strecke! |
Nach der Silbermedaille bei der Deutschen Meisterschaft 2007 war es das zweite Mal, dass Lars Teutenberg beim EZF aufs Treppchen ging. Deutscher Meister wurde er 2002 beim Zweier-Mannschaftsfahren. Sein erster großer Erfolg war der Sieg bei der Internationalen Thüringen Rundfahrt im Jahre 1998. Bekannt ist Lars Teutenberg auch als Tüftler und Spezialist in Material- und Trainingsfragen.
Lars Teutenberg auf dem Rückweg, 12sek waren kein beruhigendes Polsters für den 3. Platz |
Er selbst erklärte nach dem Rennen, dass nicht unbedingt mit einem dritten Platz zu rechnen war. Allerdings hatte er sich gut vorbereitet und sehr viel am Material gearbeitet. Wie die perfekte Sitzposition auf einer Zeitfahrmaschine aussieht, hatte er in der Tat eindrucksvoll bewiesen, und auch seine neue Rennkleidung saß wie eine zweite Haut. Faltenfrei und mit perfekter aerodynamischer Sitzhaltung ging es geradewegs aufs Treppchen.
Der erste Gratulant für Lars Teutenberg war der Weltmeister Tony Martin! |
Und der Deutsche Meister Tony Martin? Sei es nicht schade, nicht mit dem frisch gewonnen Trikot der Deutschen Meisterschaft bei der Tour de France antreten zu können, fragte der Moderator Karsten Migels (bekannt von Eurosport) mit einem Augenzwinkern. Schließlich würde Martin mit dem Weltmeistertrikot an den Start gehen. Nun lächelte auch der nach seinem schweren Sturz im Frühjahr noch immer gezeichnete Tony Martin. Es soll ihm niemand verübeln, dass er das Weltmeistertrikot vorziehen würde, allerdings sei auch das Deutsche-Meister-Trikot für ihn eine große Ehre
(v.l.n.r.) Vize-Meister Bert Grabsch, Deutscher (und Welt-)Meister Tony Martin (beide Omega Pharma Quick Step), 3. Platz Lars Teutenberg (Aero Team LeXXi) |
Arne Mill www.turus.net
Aero Team LeXXi
Ergebnisse
Rennen: 3, Kategorie: 3.3, Klasse(n): Elite (PT, KPT, KT) und A-/B-Klasse*
Typ: Zeitfahren
Schema rad-net-Rangliste: MEL-09
Länge: 43 km Zeit des Siegers: 00:47:21
Platz | Name | Team | Zeit |
1. | Tony Martin | Omega Pharma Quick Step | 00:47:21 |
2. | Bert Grabsch | Omega Pharma Quick Step | +01:25 |
3. | +01:54 |
Ergebnisse
Rennen: 2, Kategorie: 3.8, Klasse(n): Männer U23 (KPT, KT und A-/B-/C-Klasse)
Typ: Zeitfahren
Schema rad-net-Rangliste: MEL-11
Länge: 33,12 km Zeit des Siegers: 00:41:49
Platz | Name | Team | Zeit |
1. | Jasha Sütterlin | Thüringer Energie Team | 00:41:49 |
2. | Harry Kraft | Team Bergstrasse | +00:25 |
3. | Jakob Steigmiller | Thüringer Energie Team | +00:30 |
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8. | +01:27 |
Bilder (c) Arne Mill, turus.net, Hanka Kupfernagel privat (fb), privat
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